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Narzissmus ⁉️ Eine Neigung für das Besondere | Teil 1

  • Writer: Barbara R. Siegenthaler
    Barbara R. Siegenthaler
  • 23 hours ago
  • 2 min read

Aus aktuellem Anlass ein paar Worte zum ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil – und seiner Übersteigerung, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung.


Narzissmus ⁉️


Aus aktuellem Anlass ein paar Worte zum ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil – und seiner Übersteigerung, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung


Der ehrgeizig-selbstzentrierte Persönlichkeitsstil: Eine Neigung für das Besondere der eigenen Person


Zum Start dieser Serie ein Auszug aus:


Motivation und Persönlichkeit, Interaktion psychischer Systeme, Prof. Julius Kuhl, Hogrefe, 2001, Seite 843



Eine «oft von besonderer ästhetischer Sensibilität gespeisten Neigung für das Besondere der eigenen Person.


Die Akzentuierung des Gefühls für das Besondere, die in der Übersteigerung u.U. sogar zu fantasierter Grandiosität führen kann, lässt sich damit erklären, dass wegen der häufigen Blockierung von Planungs- und (kritischen) Denkfunktionen die durch die soziale und dingliche Realität gesetzten Grenzen der Entwürfe nicht gesehen werden, die durch das unkritische Selbst (gedämpfter negativer Affekt) produziert werden.


Wegen der mit diesem Stil verbundenen Dämpfung von Planungs- und volitionalen Zielverfolgungsfunktionen (aufgrund von hohem positivem Affekt) lässt diese Neigung die systematische und zielstrebige Durchgliederung und Planung kreativer Einfälle vermissen, die allerdings aus hochdifferenzierten kohärenten Wissenskomplexen schöpfen.


Die hohe Aktivierung des Belohnungssystems lässt eine Tendenz zur unmittelbaren Umsetzung erwarten, selbst dann, wenn sie aufgrund erkennbarer Risiken, sozialer Widerstände oder auch entgegenstehender Wünsche anderer nicht angezeigt wäre.


Trotz dieser für die Bedürfnisse anderer unsensiblen Egoismus muss aufgrund der hohen Belohnungsaktivität und der damit verbundenen Fähigkeit zum räumlichen und sozialen Perspektivenwechsel eine paradox ERHÖHTE Ausprägung dieser Empathiekomponente erwartet werden.


Das Paradox löst sich auf, wenn man bedenkt, dass Perspektivenwechsel ohne die Fähigkeit zur Wahrnehmung von fremden Zuständen (z.B. Bedürfnissen), die von dem eigenen Selbsterleben abweichen, nicht zu altruistischer Empathie, sondern zu einer Projektion der eigenen Bedürfnisse auf die Perspektive anderer Menschen führt:


Ein Mensch mit einem selbstzentrierten Stil ist demnach zwar in der Lage, die Perspektive anderer Menschen einzunehmen, es fällt ihm aber schwer, aus dieser Perspektive auch die Zustände des anderen zu sehen, die von seinem eigenen Selbsterleben abweichen.


Stattdessen sieht er aus der Perspektive des anderen das, was aufgrund seiner dominanten Fühlfunktion in Wirklichkeit mit seinem eigenen Selbst übereinstimmt oder in extremen Fällen von Projektion ausschliesslich aus dem eigenen Selbst kommt.


Die erhöhte Fähigkeit zum selbstkongruenten Perspektivenwechsel erhöht demnach sogar die Selbstzentrierung, weil sie dazu führt, dass das Selbsterleben ungeprüft auch anderen zugeschrieben wird.»

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