Wir sind alle ein bisschen narzisstisch | Teil 4
- Barbara R. Siegenthaler

- 22 hours ago
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Statistik und Glockenkurve lassen grüssen. Jeder Mensch hat einen ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil. Fragt sich nur, wie ausgeprägt der Stil ist. Wir sind alle ein bisschen narzisstisch, und das ist gut so.
Aus aktuellem Anlass ein paar Posts zum ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil – und seiner Übersteigerung, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung
Die nachfolgenden Zitate stammen aus:
Manual für die Trainingsbegleitende Osnabrücker Persönlichkeitsdiagnostik (TOP), Prof. Julius Kuhl und Dipl. Psych. Philipp Alsleben, IMPART, 2009, Seite 35
JEDER MENSCH hat einen ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil:
Ein «intuitives, d.h. weitgehend denk- und planungsfreies Handeln, das in engem Kontakt mit komplexen Repräsentationen des Selbst, des aktuellen Kontexts und hochinferenter Wissensbeständen ist.»
Fragt sich nur, wo auf der Glockenkurve der Wert liegt:
Ist der Stil überdurchschnittlich ausgeprägt?
Einseitig überdurchschnittlich?
Sehr gering?
Schwarz-weiss Denken ist hier nicht gefragt, denn jede Ausprägung hat gleichzeitig ihre Eigenheiten, Nachteile und Stärken.
Drei Beispiele:
EINSEITIG ÜBERDURCHSCHNITTLICHE Ausformung des Stils - STÄRKE:
«Die gewinnbringende Seite dieses Stils liegt in seiner Abgrenzung gegen Angriffe von aussen und kritischen Einwänden gegen persönliche Werte.»
«Seine oft hohen Idealvorstellungen motivieren ihn auch dann, wenn diese für andere unerreichbar erscheinen und geben ihm häufig einen aussergewöhnlichen, auffälligen Charakter.»
SEHR GERINGE Ausprägung des Stils - EIGENHEITEN:
«Eine sehr geringe Ausprägung in dieser Dimension kann anzeigen, dass jemand sich selbst und sein Selbstwertgefühl häufig zurückstellt und gegenüber anderen nicht durchsetzt.»
«Die Anbindung an eigene Werte und Präferenzen geht dann im Kontakt mit anderen schnell verloren.»
«Solche Menschen leiden schneller unter Minderwertigkeitsgefühlen, die meist von starker Sorge um andere überdeckt sind.»
SEHR GERINGE Ausprägung des Stils – STÄRKE:
«Die Stärke liegt bei dieser Ausprägung in der Fähigkeit, sich auf andere und deren Bedürfnisse einzulassen, auch wenn es momentan gegen die eigenen Bedürfnisse geht.»
«Besonders in Gruppen und sozialen Interaktionen gelingt es diesem Stil, die Lage der anderen im Blick zu halten und kleine Signale der Unstimmigkeit zu erkennen, nach denen er sich dann auch richtet.»