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Die Denk-Werkstatt
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In meinem Blog schreibe ich über Governance, Risiken, Verhalten, Persönlichkeit, Sprache, Muster. Präzise durchdacht, wissenschaftlich fundiert, direkt auf den Punkt gebracht. Die über 50 Beiträge publiziere ich in der Regel zunächst auf LinkedIn, daher die kurzen Absätze und Smileys. Auch möglich: Auf LinkedIn lesen

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EHRGEIZIG-SELBSTZENTRIERT

Eine Post-Serie zum ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil und seiner Übersteigerung, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Die Kernbotschaft ist: Wir sind alle ein bisschen narzisstisch. Und das ist gut so.

Narzissmus-Serie Teil 1. Aus aktuellem Anlass ein paar Worte zum ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil – und seiner Übersteigerung, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung.


In dieser Post-Serie geht es um:


🔸 Den ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil und

🔸 Seine Übersteigerung, die narzisstische Persönlichkeitsstörung

🔸 Abgrenzung Stil & Störung

🔸 Nützlichkeit des Stils, Motivanregung, Selbststeuerung

🔸 Wissenschaftliche Persönlichkeitspsychologie


Zum Start ein Auszug aus:


Motivation und Persönlichkeit, Interaktion psychischer Systeme, Prof. Julius Kuhl, Hogrefe, 2001, Seite 843 (das Buch heisst informell das 'Grosse Weisse').



Eine «oft von besonderer ästhetischer Sensibilität gespeisten Neigung für das Besondere der eigenen Person.


Die Akzentuierung des Gefühls für das Besondere, die in der Übersteigerung u.U. sogar zu fantasierter Grandiosität führen kann, lässt sich damit erklären, dass wegen der häufigen Blockierung von Planungs- und (kritischen) Denkfunktionen die durch die soziale und dingliche Realität gesetzten Grenzen der Entwürfe nicht gesehen werden, die durch das unkritische Selbst (gedämpfter negativer Affekt) produziert werden.


Wegen der mit diesem Stil verbundenen Dämpfung von Planungs- und volitionalen Zielverfolgungsfunktionen (aufgrund von hohem positivem Affekt) lässt diese Neigung die systematische und zielstrebige Durchgliederung und Planung kreativer Einfälle vermissen, die allerdings aus hochdifferenzierten kohärenten Wissenskomplexen schöpfen.


Die hohe Aktivierung des Belohnungssystems lässt eine Tendenz zur unmittelbaren Umsetzung erwarten, selbst dann, wenn sie aufgrund erkennbarer Risiken, sozialer Widerstände oder auch entgegenstehender Wünsche anderer nicht angezeigt wäre.


Trotz dieser für die Bedürfnisse anderer unsensiblen Egoismus muss aufgrund der hohen Belohnungsaktivität und der damit verbundenen Fähigkeit zum räumlichen und sozialen Perspektivenwechsel eine paradox ERHÖHTE Ausprägung dieser Empathiekomponente erwartet werden.


Das Paradox löst sich auf, wenn man bedenkt, dass Perspektivenwechsel ohne die Fähigkeit zur Wahrnehmung von fremden Zuständen (z.B. Bedürfnissen), die von dem eigenen Selbsterleben abweichen, nicht zu altruistischer Empathie, sondern zu einer Projektion der eigenen Bedürfnisse auf die Perspektive anderer Menschen führt:


Ein Mensch mit einem selbstzentrierten Stil ist demnach zwar in der Lage, die Perspektive anderer Menschen einzunehmen, es fällt ihm aber schwer, aus dieser Perspektive auch die Zustände des anderen zu sehen, die von seinem eigenen Selbsterleben abweichen.


Stattdessen sieht er aus der Perspektive des anderen das, was aufgrund seiner dominanten Fühlfunktion in Wirklichkeit mit seinem eigenen Selbst übereinstimmt oder in extremen Fällen von Projektion ausschliesslich aus dem eigenen Selbst kommt.


Die erhöhte Fähigkeit zum selbstkongruenten Perspektivenwechsel erhöht demnach sogar die Selbstzentrierung, weil sie dazu führt, dass das Selbsterleben ungeprüft auch anderen zugeschrieben wird.»

Narzissmus-Serie Teil 2. Unter anderem bei Konfrontation mit Misserfolgen und wenn aktives Problemlösen gefragt ist. Das nennt man dann: Versuch und Irrtum und entdeckendes Lernen. Auch eine Möglichkeit.


Aus aktuellem Anlass ein paar Posts zum ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil – und seiner Übersteigerung, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung.


Auszug aus:


Motivation und Persönlichkeit, Interaktionen psychischer Systeme, Prof. Julius Kuhl, Hogrefe, 2001, Seite 842



Der ehrgeizig-selbstzentrierte Persönlichkeitsstil:


Ein «intuitives, d.h. weitgehend denk- und planungsfreies Handeln, das in engem Kontakt mit komplexen Repräsentationen des Selbst, des aktuellen Kontexts und hochinferenter Wissensbeständen ist.»


Wann ist der ehrgeizig-selbstzentrierte Persönlichkeitsstil NÜTZLICH?


Bei bestimmten Aufgaben:

  • «Bei Aufgaben, die keine ständige Fehlerüberwachung zur Korrektur erwartungsdiskrepanter Ergebnisse erfordern»


Bei Konfrontation mit Misserfolgen:


  • «Bei Konfrontation mit Misserfolgen kann dieser Systemzustand die Aktivierung von Selbstsicherheit und Zuversicht fördern, was neue Energie auch in schwierigen Situationen verschafft und die verfrühte Aktivierung der hilflos-selbstunsicheren Systemkonfiguration verhindert.»


In sozialen Situationen:


  • «Ein selbstbewusstes Prägen des Interaktionsgeschehen durch die eigenen Gefühle und Selbstaspekte, also durch die Ansteckungsvariante von Empathie


Beim Aktiven Problelösen: Bei der kognitiven Bewältigung von Problemen, wenn AKTIVES PROBLEMLÖSEN gefragt ist (Versuch und Irrtum und entdeckendes Lernen)


  • «Bei der kognitiven Bewältigung von Problemen ist diese Konfiguration besonders nützlich, wenn es um die Anwendung vorhandener Kompetenzen geht (kohärente Wissenskomplexe), ohne dass die Sensibilität für Fehler (Diskrepanzempfindungen) oder komplexe Denk- und Planungsprozesse nötig sind.


  • Das dürfte besonders dann nützlich sein, wenn die Bewältigung einer Aufgabe AKTIVES PROBLEMLÖSEN erfordert, das man als die tatkräftige, aber auch impulsive Variante des kreativen Problemlösens interpretieren kann, die solange neue Handlungsalternativen produziert, bis eine erfolgreiche gefunden ist (Versuch und Irrtum und entdeckendes Lernen).»

Narzissmus-Serie Teil 3. Antwort: Eine statusorientierte Form der Machtmotivation.


Aus aktuellem Anlass ein paar Posts zum ehrgeizig-selbstzentrierten Persönlichkeitsstil - und seiner Übersteigerung, der narzisstischen Persönlichkeitsstörung


Nochmals (schon wieder) ein Auszug aus:


Motivation und Persönlichkeit, Interaktionen psychischer Systeme, Prof. Julius Kuhl, Hogrefe, 2001, Seiten 844/845



Der ehrgeizig-selbstzentrierte Persönlichkeitsstil:


Ein «intuitives, d.h. weitgehend denk- und planungsfreies Handeln, das in engem Kontakt mit komplexen Repräsentationen des Selbst, des aktuellen Kontexts und hochinferenter Wissensbeständen ist.» (zum SELBST gibt's auch eine Serie in der Denk-Werkstatt)


Nun die heutige Frage: Welches MOTIV regt dieser Persönlichkeitsstil prototypisch an?


In a nutshell:

Eine STATUSORIENTIERTE Form der Machtmotivation


Detaillierter:


«Was die prototypische Motivanregung angeht, so wird bei diesem Stil eine erhöhte Ausprägung des Machtmotivs erwartet.»


Und zwar «eine statusorientierte Form der Machtmotivation, die direkter auf die Anerkennung durch anderen Menschen abzielt.»


«Das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung kann als eine Kombination des Macht- und des Anschlussmotivs [Beziehungsmotivs] betrachtet werden: Die Dominanzbestrebungen richten sich in erster Linie auf die Anerkennung der eigenen Person im Gefüge sozialer Beziehungen.»


«Überwiegt bei der Kombination von Affiliations- [Beziehungs-] und Machtmotiv das erstere, so sollte sich dies in der verantwortungsbewussten, prosozialen Form der Machtmotivation niederschlagen.»


«Wenn sich das Leistungsmotiv an der selbstzentrierten Systemkonfiguration beteiligt, ist ebenfalls mit einer stark selbst- und anerkennungszentrierten Variante dieses Motivs zu rechnen.»

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