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Die Denk-Werkstatt
für Macher mit Tiefgang.

 

 

In meinem Blog schreibe ich über Governance, Risiken, Verhalten, Persönlichkeit, Sprache, Muster. Präzise durchdacht, wissenschaftlich fundiert, direkt auf den Punkt gebracht. Die über 50 Beiträge publiziere ich in der Regel zunächst auf LinkedIn, daher die kurzen Absätze und Smileys. Auch möglich: Auf LinkedIn lesen

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KULTUR & STIMMUNG

Verunreinigen Gefühle das Denken? Kann man auch ohne Gefühle denken? Und mit? Und was ist der Unterschied? Eine Post-Serie zu Emotionen, Gefühlen und Stimmungen in der Arbeitswelt. Und zu Themen wie Branding, Innovation und Unternehmenskultur.

Kultur & Stimmung, Teil 1. Auszug aus einem Prüfbericht der australischen Aufsichtsbehörde: «Der finanzielle Erfolg hat die Sinne der Institution benebelt.» Die Stimmung im Unternehmen: Ein unterschätzter Risikofaktor?


Starten wir steil.


Schon gewusst?

Menschliche Informationsverarbeitung ist an Stimmungen gekoppelt.


Die Basis dieser Aussage?

Wissenschaftliche Psychologie.


Und da Stimmungen & Informationsverarbeitung gekoppelt sind, dann bedeutet das auch:


Die im Unternehmen vorherrschende Stimmung enthält einen Hinweis darauf, WIE das Unternehmen gerne Informationen verarbeitet - und zwar Informationen aller Art, unabhängig vom Thema.


Und so lassen sich aus der im Unternehmen vorherrschenden Stimmung ganze Risikoprofile ableiten, sofern man einen wissenschaftlich belastbaren Bezugsrahmen dafür hat. Und zufälligerweise Freude an Governance-Themen hat.


Doch zurück zu besagter Institution.


Ganz selten beschreibt eine Aufsichtsbehörde in einem Untersuchungsbericht die Stimmung im Unternehmen. So geschehen 2018. Die australische Finanzmarktaufsicht APRA bescheinigte der Commonwealth Bank of Australia (CBA) in ihrem Prudential Inquiry Prüfbericht:


«The financial success dulled the senses of the institution.»

«Der finanzielle Erfolg hat die Sinne der Institution benebelt.»


Im Einzelnen bescheinigte das 30-köpfige APRA Prudential Inquiry Team nach neun Monaten Prudential Inquiry der CBA:


🔸 Dulled senses | benebelte Sinne

🔸 Complacency | Selbstgefälligkeit

🔸 Over-confidence | übersteigertes Selbstvertrauen

🔸 Chronic ease | eine chronische Leichtigkeit

🔸 A dismissive culture | eine herablassende Kultur Bei der CBA handelt es sich dabei nicht um ein Leichtgewicht, sondern um Australien's grösste Bank mit einem Profit von 9.9bn USD gemäss Annual Report 2017.


Spannend ist nun das Folgende:


Da Stimmungen mit verschiedenen Arten der Informationsverarbeitung verknüpft sind, lassen sich aufgrund dieser Stimmungsbeschreibungen und der Charakteristika der betreffenden Informationsverarbeitungs-Arten rasch Hypothesen zu den Stärken und Problemfeldern im Unternehmen aufstellen.


Diese können anschliessend einzeln überprüft werden.


Mit der gebotenen Vorsicht. Mit einem systemtheoretischen Ansatz. Mit erkenntnistheoretischer Demut. Und mit Fokus aufs Denken in Optionen.


Genau das habe ich für den 2018 APRA Prudential Inquiry Report zur CBA gemacht und eine The Organizational Personality (TOP) / Finance Without Numbers (FWN) Case Study geschrieben.


Das Ergebnis meiner Analyse:


Die CBA im Jahre 2018 präsentiert sich wie aus dem Lehrbuch als 'Double Intuition Organizational Personality'.


Wer sich für das deutsche oder englische Executive Summary dieser Case Study interessiert, bitte DM an mich. Ich freue mich auf spannende Diskussionen.

Kultur & Stimmung, Teil 2. Höchstleistung erbringt linear-analytisches Denken nur im Zusammenspiel mit ganzheitlichem Denken, welches sich wiederum durch Emotionsanbindung auszeichnet. Deshalb gilt: Unternehmen können nur dann in ihre volle Denkpower kommen, wenn sie Gefühlen Raum geben.


In Kurzform:


Typisch für analytisches Denken sind eine sachlich-nüchterne Stimmung sowie das Ausblenden von Emotionen. Das macht die STÄRKE wie auch die SCHWÄCHE dieser Denkform aus.


Mit der Aufklärung setzte sich die Auffassung durch, dass analytisches Denken die überall passende Königsdisziplin des Denkens ist - unabhängig vom Kontext. Nun ja.


Höchstleistung erbringt linear-analytisches Denken nur im Zusammenspiel mit ganzheitlichem Denken, welches sich u.a. durch Emotionsanbindung auszeichnet.


Deshalb gilt: Unternehmen können nur dann in ihre volle Denkpower kommen, wenn sie Gefühlen Raum geben.


In längerer Form:


Auszug aus einem meiner Lieblingsbücher: Motivation und Persönlichkeit, Interaktion psychischer Systeme, Prof. Julius Kuhl, Hogrefe, 2001, Seite 1101. Und ja, das ist ziemlich hardcore wissenschaftliche Psychologie.


🟡 "Aus der Ich-Perspektive des analytischen Denkens sind Gefühle und Bedürfnisse nur in der irrationalen Form von seelischen Erscheinungen erfahrbar, die das aufgeklärte Denken verunreinigen.


🟡 Diese seit der klassischen Aufklärung verbreitete Sichtweise ist durch die in diesem Buch … begründete Unterscheidung zweier verschiedener Formen der Emotionalität überwindbar:


🟡 Emotionen und Bedürfnisse müssen aus analytischer Sicht schon deshalb als irrationale Widersacher der realitätsgerechten Weltsicht erscheinen, weil die neurobiologischen Systeme, die analytisches Denken und explizite Intentionalität vermitteln, aufgrund ihrer geringen Vernetzung mit affektgenerierenden und affektrepräsentierenden Prozessen wenig Kontrolle über Affekte und Bedürfnisse haben.


🟡 Analytisches Denken ermöglicht allenfalls Kontrolle im Sinne eines Ausblendens emotionaler Prozesse,


🟡 verliert damit aber auch die Gestaltungskraft der zweiten Form der Emotionalität, die ich mit der höchsten Stufe der kognitiven, wenn auch weitgehend unbewußten Verarbeitung verbunden habe (d.h. Extensionsgedächtnis, ganzheitliches Fühlen, integriertes Selbst."


Kleiner Hinweis: In der Denk-Werkstatt gibt es eine ganze Serie zum SELBST, in der Serie Identität & Wissen.



Kultur & Stimmung, Teil 3. Unternehmen haben handfeste Vorteile, wenn sie AUSGEWOGEN denken können: Sie werden dadurch krisenfester und enkelfähiger. Ein Kurz-Plädoyer zum Thema ausgewogenes Denken.


Unternehmen, welche Informationen und Themen aller Art (unabhängig vom jeweiligen Inhalt) aus VERSCHIEDENEN Perspektiven beleuchten können, haben handfeste Vorteile.


Dazu kann man sich merken:

Denkform = Informationsverarbeitung = Art & Weise, Informationen zu verarbeiten


Jede Denkform hat dabei ihre charakteristische Art und Weise, WIE sie Informationen verarbeitet. Im kontinuierlichen Zusammenspiel der Denkformen ergibt sich Ausgewogenheit und ausgewogenes Denken.


Nun hat ausgewogenes Denken etwas mit der Fähigkeit zu tun, Emotionen erkennen und regulieren zu können.


Bedeutet auch: Wer Emotionen gezielt steuern kann, kann in die gewünschte Denkform wechseln 🙂 Diese Fähigkeit nennt man dann Selbststeuerung.


Hier mal eine Denk-Legende, welche durchaus auch für Unternehmen gilt.

Denn einseitiges Denken ist brandgefährlich für Unternehmen.


DENK-LEGENDE für bunt-ausgewogenes Denken:


🔴 Linear-analytisches Denken:


  • Eine sprachabhängige, sequenzielle und präzise Art des Denkens

  • Von Emotionen abgekoppelt

  • Hebt das Wesentliche hervor und arbeitet nach einer binären Logik (entweder-oder, richtig-falsch, schwarz-weiss)


🟡 Ganzheitlich-intuitives Denken:


  • Eine integrative Art des Denkens

  • Mit Gefühls- und Emotionsanbindung

  • Bindet diskrepante Perspektiven ein

  • Gekennzeichnet durch eine integrative Weite (sowohl-als-auch)

  • Steht für kreative Problemlösung und Innovation

  • Im Fokus steht der Gesamtkontext


🟢 Handlungsorientiertes Denken:


  • Eine ganzheitlich-intuitive, sehr schnelle Art der Verhaltensbahnung

  • Unabhängig von bewusster Kontrolle

  • Kann spontan erfolgen

  • Gekennzeichnet durch Emotionsverschmelzung

  • Geht im Hier und Jetzt auf

  • Hat ein eigenes Wahrnehmungssystem


🔵 Detailorientiertes Denken:


  • Unstimmigkeitsdetektor und Fehler-Fokus mit dem Ziel, Gefahrenquellen wieder zu erkennen bzw. bestehendes Wissen bei Bedarf zu verändern

  • Im Fokus steht EIN Einzelobjekt

  • Verengung der Emotionen auf EIN Detail

  • Kann zu Grübeln führen


Und hier noch ein paar eher miese Denkmöglichkeiten:


Unrealistisches Denken:


Von der Realisierbarkeit durch entsprechende Verhaltensroutinen abgekoppeltes Denken. Beeinträchtigt ist das Zusammenspiel zwischen 🔴 linear-analytischem und  🟢 handlungsorientiertem Denken.


Entfremdetes Denken:


Dem Denken fehlt es an Übereinstimmung mit sinnstiftenden Bedürfnissen und Werten sowie integrierten Selbstrepräsentationen. Beeinträchtigt ist die Kooperation zwischen 🔴 linear-analytischem und 🟡 ganzheitlichem Denken.


Bitte schön.


P.S. Ja, die Farben sind nicht zufällig gewählt. Das erzähle ich ein anderes Mal.

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